Die neue Weltordnung


Unternehmenskontrolle

Die United Fruit Company

Die Geschäftstätigkeit der United Fruit Company basierte auf dem Handel mit Bananen und darauf begründet sich auch ihr Imperium. Guatemala, Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Panama waren als " Bananen-Republiken" bekannt, aber United Fruits Einflussphäre weitete sich weiter bis nach Belize, dem ehemaligen Britischen Honduras, Jamaika, Kuba, Kolombien und Equador aus.

Die Geschichte von United Fruit nahm im Jahre 1871 ihren Anfang, als General Guardia in Costa Rica die Aufgabe für den Bau einer Reisennbahn an Henry Meiggs und seinen zwei Neffen Henry Keith und Minor Keith, zuständig für den eigentlichen Bau, vergab.

Die Geldquelle versiegte als die Eisenbahnlinie nicht mehr als vier Meilen fortgeschritten war und als es 1873 zu einem Marktzusammenbruch kam, machte sich Henry Keith wieder auf den Heimweg und ließ sowohl das gescheiterte Eisenbahnprojekt als auch seinen jüngeren Bruder zurück.

Obwohl andere Auftragnehmer hinzugebeten wurden, blieb Minor Keith standhaft und begann in den gerodeten Feldern seitlich der Eisenbahnlinie Bananen anzupflanzen.Gegen Ende der siebziger Jahr des 19. Jahrhunderts unterbreitete ihm Präsident Guardia den Vorschlag, dass er die Leitung für den Bau der Eisenbahnlinie komplett übernehmen sollte. Um das Fortleben des Projekts gewährleisten zu können, bedurfte die Einsenbahnlinie einer Fracht und Bananen waren da genau das Richtige.

Nach dem Tod von Präsident Guardia im Jahre 1882 fiel Keith eine Schlüsselposition zu. Ihm oblag die Leitung über zwei Industriezweige, von denen die Zukunft der Nation abhing. Als ihm noch mehr Land übertragen wurde, als er alleine bewirtschaften konnte,machte er sich auf, enorme Plantagen zu erschaffenplantations.

Der Bau der Eisenbahnlinie Costa Ricas wurde 1890 abgeschlossen und Keith begab sich in die abseits gelegenen Regionen von Kolumbien, an der karibischen Küste, wo er weitläufiges Land für den Anbau von Bananen aufkaufte. Kolumbianische Geschäftsleute hatten bereits mit dem Anbau von Bananen begonnen und ihre eigene Eisenbahnline erbaut, aber es fehlte ihnen an Kontakten, um einen intenationalen Markt aufzubauen.

Keith entwickelte eine informelle Partnerschaft mit Andrew Prestons Obstunternehmen in Boston und als 1899 die United Fruit Company gegründet wurde, dehnte sie sich bereits über Costa Rica, Panama, Kuba, Kolumbien, Jamaika und die Dominikanische Repulik aus. Es handelte sich dabei um eine Plantage mit dem gigantischen Ausmaß von knapp 250.000 Hektarn oder 1.000 Quadratkilometern, von denen nur ein Drittel bestellt wurde und mit der drei Viertel des Bananenmarktes kontrolliert wurden. Durch die Übernahme von Versandunternehmen und Importeuren stieg der Anteil an dem Bananenmarkt auf 80 bis 90%, gewissermaßen dem gesamten Markt.

Guatamala baute seine eigene Eisenbahnlinie und verwendete die Erlöse aus dem Kaffeeanbau zur Finanzierung dieser, aber als das Geld aus den Kaffeeverkäufen knapp wurde, wurde Minor Keith beauftragt, das Projekt zum Abschluss zu bringen. Statt Geld einzufordern, fragte er ledeglich nach genügend Anbauflächen für Bananen an. So wie in Costa Rica würde der Anbau von Bananen den Bau der Eisenbahnlinie gewährleisten.

Laut Vertrag solllte das Projekt innerhalb von drei Jahren beendet werden, aber schwere Regenfälle beeinträchtigten die Arbeiten. Im Rahmen eines neuen Vertrages, der 1904 unterzeichnet wurde, übernahm United Fruit die Kontrolle über die Einsenbahnlinie auf der Seite des Atlantiks. Alle Waggons und Lokomotiven usw. inbegriffen, die mit Hilfe von nationalen Geldern bezahlt wurden. Die Firma hatte neue Grundstücke gigantischen Ausmaßes für den Anbau von Bananen erhalten, zahlte aber keinerlei Steuern, während die Regierung auf ihr Recht verzichtete, sich Einblick in die Firmenbücher zu verschaffen. In Kürze würde die Firma ebenfalls die nationale Eisenbahn auf der Seite des Pazifiks übernehmen.

Wenn Minor Keith und Andrew Preston den Grundstein für das Imperium von United Fruit legten, so lag das Schicksal und die Weiterentwicklung dieser Firma für die nächsten fünfzig Jahre in den Händen von Sam Zemurray . Ein jüdischer Immigrant aus Russland, der in New Orleans mit dem Kauf und Verkauf von Bananen begann. Seine risikoreichen Investitionen führten Zemurray in große Liquiditätsprobleme. Nach der Gründung von United Fruit im Jahre 1899 , bot er der Gesellschaft einen 60%-Anteil seines Unternehmens zum Verkauf an, mit dem Ziel die Kontrolle über den Markt von Honduras zu übernehmen. Nachdem er die Kontrolle über sein Unternhemen an United Fruit verkauft hatte und nicht über die notwendigen Mittel verfügte, um für den Anteil von United Fruit aufzukommen, blieb er der Firma durch seine Schuldenlast und eine geheime Partnerschaft erhalten.

Minor Keith unterbreitete auch Honduras und Nicaragua sein gewöhnliches "Eisenbahn für Anbauflächen-Angebot", aber sein Angebot wurde abgelehnt. 1910 änderte die United Fruit Company in Zusammenarbeit mit Sam Zemurray in Honduras ihre Taktik. Zemurray war inzwischen United Fruits gegenüber schwer verschuldet, da United Fruits ihm seinen Anteil gegen einen Schuldschein zurück verkauft hatte. Zemurray nahm einen Kredit über 200.000 Dollar auf und kaufte große Anbauflächen auf und forderte die üblichen Steuervergünstigungenn, die ihm jedoch nicht von den Regierung Honduras sondern von den Bankleuten der J. P. Morgan in Abrede gestellt wurden, die Kontrolle über das Finanzsystem von Honduras anstrebten.

Daraufhin machte sich Zemurray auf den Weg nach Washington mit dem Plan, ein Schiff zu kaufen und ausgewählte Waren an Bord zu nehmen und die Regierung Honduras zu stürzen.

Der Coup gelang ihm im Jahre 1911 und Zemurray erhielt seine Steuervergünstigungen und konnte die Bewirtschaftung seiner Länder in Angriff nehmen. Es wurden Wahlen abgehalten und der Präsident, General Manuel Bonilla wurde in seinem Amt bestätigt und Zemurray, der "Bananen-Mann" wurde mit dem nationalen Finanzressort beauftragt. United Fruit dementierte jegliche Involvierung. Zemurray gewährte der Firma zwei große Anbauflächen und entledigte sich seiner Schulden. Aus zunehmender Sorge um das Image der Firma, die bereits als "böse Krake" verschrien wurde, nahm Zemurray Edward Bernays, , den Vater der Public Relations und einen Neffen von Sigmund Freud. in seine Dienste auf.

Gegen Ende von 1920 erlangte Bernays Weltruhm mit seinem Buch "Propaganda" und seinem Interesse für das "Gruppen-Denken" :

" Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft. Wer die ungesehenen Gesellschaftsmechanismen manipuliert, bildet eine unsichtbare Regierung, welche die wahre Herrschermacht unseres Landes ist.“

In dem Zeitraum zwischen 1911 und 1928 wurde United Fruit in eingen Ländern heftig bestreikt und die Antwort des Unternehmens lässt sich nicht gerade als mildtätig einstufen.

Nach Ende des Bürgerkriegs gab das Unternehmen United Fruit der Sklaverei ein neues Gesicht. Mit Hilfe der eigenen Wachmannschaft wurden Arbeiter eingestellt, gefeuert und kontrolliert. Es wurden mit dem Notwendigsten ausgestattete Schlafbarraken bereit gestellt und die Löhne der Arbeiter gingen beim Einkauf in den firmeneigenen Läden drauf.

Bis zu diesem Zeitpunkt wurde rechtlich zwischen den Geschäftsfeldern "Bananen" und "Eisenbahn" unterschieden. Aber mit Keiths Pensionierung und dem Risiko einer Übernahme wurde im November 1929 die Entscheidung getroffen, eine neue United Fruit zu gründen, von der Zemurray der Hauptaktionär war. 1931, als sein Imperium während der wirtschaftlichen Depression drohte zusammenzubrechen, reiste Zemurray nach um eine Aktionärsversammlung einzuberufen und nachdem es ihm gelungen war, die unzufriedenen Aktionäre auf seine Seite zu bringen, übernahm er die Unternehmensleitung.

Aber mit United Fruit ging es steil bergab. In der zentralamerikanischen Region konnte die Gesellschaft über 100.000 Hektar für sich beanspruchen, aber der Befall der Plantagen mit zwei Kranheiten, die beide das Produkt einer Monokultur auf riesig großen anbauflächen waren, brachte katastrophale Auswirkungen mit sich. Da es um den Bananenanbau schlecht bestellt war, brach die Gesellschaft ihre Lager ab. Die Art und Weise, wie sie sich aus den betroffenen Regionen zurückzog, kam für viele einer Katastrophe gleich. Vieln wurden die Arbeitsstelle und die Existenzgrundlage genommen, ganze Gemeinschaften verschwanden. Eisenbahnschienen wurden abmontiert, Brücken abgebaut und alle Materialien, die weiterhin für notwendig befunden wurden, wurden auf LKWs geladen und aus dem Lande geschafft, ohne auch nur irgendeinen Gedanken an die Einwohner zu verschwenden, die zurück gelassen wurden.

Zemurray fand die Lösung auf das Problem mit Hilfe der Bordeaux Mischung, die aus Kupfersulfat, Wasser und Kalk besteht. Experten warnten ihn davor, diese Mischung in großen Dosen einzusetzen, er aber ließ das Mittel in steigenden Mengen geradezu auf die Plantagen pumpen. Ohne das Übel unter Kontrolle bringen zu können, hinterließ die auf die Früchte gepumpte Bordeaux Mischung Rückstände, die sich innerhalb der Frachträume der Schiffe mit Meereswasser verband und die die Innenräume der Schiffe verotten ließ.

Costa Rica zeigte erste Anzeichen, seinem Dasein als Bananenrepublik ein Ende zu bereiten und in Guatamala gewannen die radikaleren Führer immer mehr an Popularität.

Bei ihrer Amtübernahme ernannte die US-Regierung unter Eisenhower Jack Peurifoy (?) zum Botschafter von Guatamala, deren Präsident namens Arbenz einen Plan zur Landreform angekündigt hatte, demzufolge eine große Anzahl an Großgrundbesitztümern aufgeteilt werden sollten, um den Bauern, die über kein eigenes Land verfügten, kleine Grundstücke zu übertragen.

Der Schlag gegen United Fruit erfolgte direkt und geradlinig. Infolge staatlich gefasster Beschlüsse, die praktisch mit Enteignung und Diebstaht gleichzusetzen waren, erlitt die Gesllschaft den Verlust einiger ihrer Anbauflächen. Die Regierung veranschlagte dabei den im Grundbuch festgelegten Wert -( die Gesellschaft hat über Jahre hinweg die Grundstücke unterbewertet, um Steuern zu sparen) und protestierte nun, dass doch jeder darüber Bilde war, dass der für Steuerzwecke veranschlagte Wert für die Grundstücke unter dem wahren Wert liegen würde. Die Regierung Guatemalas wurde gewarnt, dass die US-Regierung die Verantwortung für die Forderungen der Gesellschaft übernehmen würde. Nach Angaben der United Fruit wurde die Gesellschaft um 16 Millionen Dollar betrogen und das Auswärtige Amt der USA präsentierte der Regierung Guatamalas eine dementsprechende Rechnung.

Nachdem man die Schlacht gegen die "Macht des Bösen" in Guatemala gewonnen hatte, wies der Außenminister den Botschafter an, dass United Fruit alle Grundstücke, die der Geselschaft unter der Herrschaft von Arbenz konfisquiert wurden, zurückerlangen sollte.

Der Gesellschaft war es generell gelungen, rechtzeitig den Rückzug vor sämtlichen Angriffen in Bezug auf ihre Geschäftspraktiken anzutreten und sich jenen anzuschließen, die die unsichtbaren Gesellschaftsmechanismen kontrollierten, so wie Edward Bernays, der Berater für Propaganda es ausdrückte. Daher war es ein Schock für die Gesellschaft, als das Justizministerium einem gegen die Geswellschaft eingeleiteten Kartellverfahren grünes Licht gab.

United Fruit lag über Jahre hinweg in einem Rechtsstreit in Bezug auf das Kartellverfahren, lief aber weitgehend gegen Washingtons Wunsch auf, in Lateinamerika andersartige Geschäftspraktiken an den Tag zu legen.

Nach Zemurray Tod im November 1961, wurde 1968 eines der größten Aktiengeschäfte an der amerikanischen Börse abgewickelt, als Eli Black , ein devoter Jude, der auf 10 Generationen von Rabbis verweisen konnte, die Leitung der United Fruit Company übernahm. Unter seiner Ägide wurde die Gesellschaft von seinem Konzern, namens United Brands Group, übernommen.

Unter Blacks Führung schien United Fruit gute Resultate zu erzielen, aber nur fünf Jahre später sprang er aus dem vierundvierzigsten Stockwerk des Pan-American Building in der New Yorker Park Avenue.

Die Geschäfte gediehen nicht. Die United Fruits Plantagen wurden Anfang der siebziger Jahre von einer neuen Plage heimgesucht. Die Bananen-erzeugenden Länder Lateinamerikas hatten derweil ein eigenes Kartell gegründet und zwar das UTEB, die Vereinigung der Bananen exportierenden Länder.

Es kam ebenfalls ans Tagslicht, dass der für seine Moralvorstellungen berühmte und kürzlich verstorbene Leiter der United Fruit nicht der war, der er zu sein schien. Er hatte Schmiergelder an die Mitglieder der der Militärregierung von Honduras gezahlt, unter der Annahme, dass der Anreiz von eineinviertel Millionen Dollar Honduras dazu bewegen würde, aus dem Bananen-Kartell auszusteigen, welches Krieg gegen United Fruit führte. Dies war zwar nichts Neues, aber die Wall Street reagierte empört und die Aktienkurse der Gesellschaft stürzten rapide.

Durch die Zahlung eines symbolischen Bußgeldes in der Höhe von 15.000 Dollar wurden Ende der siebziger Jahre Eli Blacks Missetaten gesühnt und das Verfahren, welches gegen den Anteilseigener von United Fruit - United Brands -eingeleitet wurde, in aller Stille ad acta gelegt. United Brands verlagerte daufhin seinen Konzernsitz und wechselte den Firmenanmen zu Chiquita.

Die United Fruit Company mehrmals führte Krieg in Südamerika angefangen mit der Invasion Honduras im Jahre 1911 bis hin zur der 1954 erfolgten Södnerinvasion in Guatamala und ließ andere für sie Schlachten austragen, so wie dies 1928 in Kolumbien der Fall war. Die Verfolgung ihrer Geschäftsinteressen hatte weitreichende internationale Auswirkungen. Der Versuch, das 1954 an Guatemala statuierte Exempel zu wiederholen und die Denkweise, dass die Invasion in der Schweinebucht Fidel Castro zu Fall bringen würde, bekamen 40 Jahre später im Falle des Iraks neuen Aufwind. Die vorweggenommenen Lorbeeren für die Invasion des Irak stellten einen Wiederhall auf die erfolgreiche Intervention der USA auf der Antilleninsel Grenada, ehemaliges Territorium der United Fruit Company, dar.

Das Beispiel von United Fruit führt uns vor Augen, wie ganze Nationen in die Abhängigkeit großer Gesellschaften geraten können. Diese bahnten sich ihren Weg direkt in das Gesellschaftsgefüge von Costa Rican und Guatamala infolge einer Einnladung, da diese über Ressourcen verfügte, die diesen Ländern fehlten. Genau wie die multi-Nationalen Konzerne von heute, ging United Fruit immer dann Bündnisse ein, wann und wo diese ihr Fortleben sicherstellen würden. Es wurde immer nach formbaren Elementen, insbesondere Politikern, die sich auf einen Deal mit der Gesellschaft einließen, gesucht. Die Höhe der in den zwanziger Jahren an Honduras gezahlten Schmiergelder lösten eine Debatte im Kongress der USA aus, die mit der Schlussfolgerung beendet wurde, dass Geschäfte in diesen Teilen der Welt nun mal auf diese Weise abgewickelt würden.

Die Geschäftspraktiken der United Fruit werden in der heutigen Geschäftswelt hoch bewertet, auch wenn "Propaganda" heute als "Public Relations" bezeichnet wird.

Die Banane stellt seit einem Jahrhundert ein erstklassiges Beispiel für die Wichtigkeit der Aufmachung dar. Die die Frucht umhüllenden Bananenblätter stehen für Gesundheit, während ihre Wurzeln verseucht sind. Die Gesellschaft, die eindrucksvoll die Kunst des politischen Lobbying beherrschte, stellte immer sicher, dass sie über die richtigen Kontakte zu den einflussreichen Leuten der Regierung verfügte.

Welche Rolle spielen die großen Rüstungsunternehmen der USA im Irak-Krieg und die Ölgesellschaften in Nigeria?

In den siebziger Jahren kamen Wirtschaftstheoretiker zu der Schlussfassung, dass es nun an der Zeit sei für einen Wechsel in der Pollitik. Die Staatsausgaben für Schulen, Krankenhäuser und andere sozialstaatliche Bereiche sollten gekürzt werden. Solch eine Denkweise stand im Einvernehmen mit der von Professor Milton Friedman, vertetenen Theorie, zu der sich auch Margaret Thatcher bekannte und die durch General Augusto Pinochet in Chile in die Praxis umgesetzt wurde, der sein Land in ein Versuchslabor für Kapitalistische Untersuchungen verwandelte, während die USA den Weg zu einer vollständig kapitalistischen Anarchie einschlugen, auch Globalisierung genannt.