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Wal-Mart, ein "freundlicher", jüdischer Supermarkt, entwickelte sich von einem Gemischtwarenladen, der im Jahre 1962 von Sam Walton in Arkansas gegründet worden war, zur derzeit größten Firma, dem größten Arbeitgeber und der neunzehnt-größten wirtschaftlichen Einheit der ganzen Welt. Wal-Mart hat 6100 Branchen mit 1.6 Millionen Angestellten.
Sam Walton, der Gründer von Wal-Mart, wurde in Kingfisher, Oklahoma geboren und schaffte es, den Zweiten Weltkrieg zu vermeiden, indem er eine Anstellung in einer Munitionsfabrik von Dupont in Tulsa, Oklahoma fand. Dort heiratete er Helen Robson, eine Jüdin, deren Familie nach dem amerikanischen Bürgerkrieg Spekulanten-Bankiers im besiegten Süden waren.
Die Wal-Mart-Gruppe, keinesfalls ein freundlicher Familienladen, hat ihre Spitzenposition erreicht, indem sie gelernt hat, internationale Handelsvereinbarungen zu nutzen. "Kaufe billig und verkaufe teuer" - dieses Motto hat es der Firma ermöglicht, Märkte für ihre Branchen zu erschließen und zu dominieren und jene Lieferanten zu benutzen, die am ehesten bereit sind, teure Produktionsstätten aufzugeben und die Welt nach den billigsten Produktionsplätzen abzusuchen.
Wal-Mart hat erst im Jahr 1991 in Mexiko die erste Zweigstelle außerhalb der USA eröffnet. Im Jahr 1994 unterzeichneten die Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada das weitreichendste, multilaterale Handels- und Investitionsabkommen dieser Zeit (NAFTA).
Bei der Unterzeichnung von NAFTA wurde versprochen, dass es Arbeitsplätze schaffen und wirtschaftliche Vorteile für alle drei NAFTA-Staaten bringen würde.
Jorge Castaneda, der ehemalige Außenminister von Mexiko, bemerkte: "NAFTA war eine Übereinkunft zwischen Mogulen und Herrschern. NAFTA war ein Vertrag der Reichen und Mächtigen, der die kleinen Menschen praktisch ausschloß. NAFTA hob Zölle und andere Einfuhrkontrollen zwischen den drei Ländern auf. Dadurch konnten US-Firmen Produkte verkaufen, die in Mexiko hergestellt wurden, wo Arbeitskräfte billig, Umweltschutzgesetze schwach und Steuern niedrig waren.
Von 1990 bis 2001 hat sich die Anzahl dieser Fabriken jenseits der Grenze in Mexiko mehr als verdoppelt. Diese Verlagerung bedeutete enorme Kosten für die amerikanischen Arbeiter, aber im Mexiko war der dramatische Anstieg dieser "maquiladoras" mit dem Beinahe-Zusammenbruch der Landwirtschaft gekoppelt. Die Abschaffung der landwirtschaftlichen Zölle und Quoten für Produkte wie Korn, die etwa sechzig Prozent der mexikanischen Landwirtschaft ausmachten, ermöglichte es billigen, stark subventionierten US-Produkten, den mexikanischen Markt zu überschwemmen.
Das Ergebnis ist, dass die Effektivlöhne in der mexikanischen verarbeitenden Industrie heute niedriger sind als vor NAFTA. Der Mindestlohn ist um 20% abgesunken.
Nach der Einführung von NAFTA wurde Wal-Mart der größte Einzelhändler in diesen drei Ländern. Durch die Abschaffung der Zölle wurde die Einfuhr und Ausfuhr von Produkten nach und von Mexiko steuerfrei. NAFTA machte es der mexikanischen Regierung auch unmöglich, Wal-Mart zu zwingen, sich einen lokalen Geschäftspartner zu finden oder Produkte von Firmen im mexikanischen Besitz zu verkaufen oder einen bestimmten Anteil des Gewinns lokal zu investieren.
Tim Weiner von der New York Times schrieb:
"Wal-Marts Macht ändert Mexiko auf die gleiche Weise wie es die wirtschaftliche Landschaft der Vereinigten Staaten geändert hat, und dies geschieht auch mit der gleiche Formel - Preise unnachgiebig senken, Produktion stark erhöhen, niedrige Löhne zahlen, Gewerkschaften hinausdrängen, den Lieferanten nur die kleinsten Margen lassen und alles und jedes billiger verkaufen als der nächste Laden."
Heute ist Wal-Mart der größte private Arbeitgeber in Mexiko. Es hat 683 Zweigstellen und mehr Umsatz als die gesamte Tourismusindustrie.
Freihandel erlaubt den Konzernen, bei der Wahl ihrer Partner sehr unbeständig zu sein. Wenn die Vorteile in einem Land nicht mehr ausreichend sind, können sie einfach zusammenpacken und zum nächsten Land gehen ohne auch nur einen Gedanken an langfristiges Engagement zu verschwenden. Wal-Mart ist darin ein Meister.
Da NAFTA der mexikanischen Regierung das Recht nimmt, ausländischen Firmen irgendwelche Verpflichtungen aufzuerlegen, konnten amerikanische Firmen einfach ihre Sachen packen und abwandern, sobald die Situation in China besser aussah. Allein in den letzten fünf Jahren hat Wal-Mart seine Importe aus China verdoppelt. Es hat mehr als 3000 Zulieferfabriken in China und es wird angenommen, dass diese Zahl noch steigt. Das heiß aber keineswegs, daß die Arbeiter in China sichere Arbeitsplätze haben.
Wal-Mart zwingt seine Lieferanten jährlich, ihre Kosten zu reduzieren. Viele haben ihre Produktionsstätten in den Vereinigten Staaten geschlossen und sind ins Ausland abgewandert um dies möglich zu machen. Das Ergebnis ist ein globaler Pool von Arbeitern und Herstellern, die zu einem Wettlauf nach unten gezwungen werden.
Man sollte auch nicht vergessen, daß Hilary Clinton in den 1980ern, als Wal-Mart im Kampf mit den Gewerkschaften lag, ein Mitglied des Vorstandes dieser Firma war, und dass sie sich nicht gegen die rücksichtslosen Aktionen dieser Firma aussprach.